Lied: In einem kleinen Apfel


  1. In meinem kleinen Apfel,
    da sieht es niedlich aus:
    es sind darin fünf Stübchen,
    grad wie in einem Haus.
  2. In jedem Stübchen wohnen
    zwei Kernchen, schwarz und klein,
    die liegen drin und träumen
    vom warmen Sonnenschein.
  3. Sie träumen auch noch weiter
    gar einen schönen Traum,
    wie sie einst werden hängen
    am schönen Weihnachtsbaum.


Text: volkstümlich
Melodie: Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), vereinfacht von „Das klinget so herrlich“ aus „Die Zauberflöte“

Bunte Blätter: Fingerspiel in Kurzform

Dieses Herbst-Fingerspiel ist kurz und in den Bewegungsabläufen sehr einfach gehalten. Weil es beschreibt, wie das bunte Laub von den Bäumen rieselt, ist es nach einem ausgiebigen Herbst-Spaziergang im Wald besonders passend.


Bunte Blätter fall´n vom Baum

schweben sacht, man hört sie kaum.

Plötzlich trägt der Wind sie fort,

wirbelt sie von Ort zu Ort.

Wie sie flattern, wie sie fliegen,

sinken - und am Boden liegen.



Herbstgeschichte: Ein ganz besonderes Erntedankfest



Ein kleines Erntedankfest hatte sich Marie gewünscht. Mit Freunden und Nachbarn wollte sie gemütlich einen Nachmittag im Garten verbringen und das erfolgreiche Gartenjahr feiern. Zwölf Gäste waren eingeladen und Marie freute sich sehr auf sie.
Für das Erntedankmahl zu sorgen, machte ihr großen Spaß. Sie backte einen Apfel- und einen Pflaumenkuchen und einen großen Hefezopf nach Großmutters Rezept. Für später bereitete sie Salate vor und einen großen Zwiebelkuchen und sie besorgte Grillwürste, Steaks, Brot, Käse und Hausmacher Wurst.
Hannes stellte zwei lange Tische unter dem alten Zwetschgenbaum auf und suchte genügend Stühle zusammen. Geschmückt mit Äpfeln, Nüssen, Trauben, Windlichtern und kleinen bunten Blumensträußchen sahen die sehr hübsch aus.
Zufrieden betrachtete Marie ihr Werk.
„Schön ist es geworden!“, sagte sie.
„Sehr schön“, bestätigte Hannes mit einem Lächeln. „Es wird den Gästen bei uns gefallen.“
Und die Gäste ließen auch nicht lange auf sich warten. Die ersten kamen früh,
zwei befreundete Paare, die Nachbarin von gegenüber und ein alter Freund von Hannes.
Gleich darauf klingelte es wieder. Maries Freundin hatte ihre Schwester mitgebracht.
„Du hast doch gesagt, ich könne gerne jemanden mitbringen.“
Oh! Marie überlegte. Hatte sie das wirklich gesagt? Nun, auf eine Person mehr kam es nicht an.
Kurz darauf standen zwei weitere Nachbarn mit Blumenstrauß, Mostflaschen und einem Korb voller glänzender Äpfel vor dem Gartentor. „Hannes hat gesagt, wir sollen ruhig vorbeikommen.“
Ah! Erschrocken warf Marie einen Blick zu Hannes.
Der hob ein wenig kleinlaut die Schultern. „Ich habe nur gesagt, sie könnten ja mal vorbeischauen, wenn sie Zeit hätten“, murmelte er.
Eine Viertelstunde später standen drei weitere Leute am Gartentor.
„Wir haben gehört, bei euch ist heute Erntedankfest“, rief einer ihnen zu.
„Ja“, sagte Marie langsam. Sie hatte Mühe, ihre Überraschung noch zu verbergen.
„Gute Idee“, meinte einer der Neuankömmlinge. „Wir haben gedacht, wir könnten mal auf ein Stündchen vorbeischauen.“ Sie reichten Marie eine Schüssel Kartoffelsalat und eine Flasche Wein.
„Natürlich“, sagte Marie. „Kommt herein.“
Nun wurde es eng. Hannes holte die letzten Gartenstühle aus dem Schuppen und die guten Stühle aus dem Esszimmer.
Inzwischen trafen noch zwei Gäste ein. Und wenig später noch einer. Und dann noch drei. Und …
Irgendwann hörte Marie auf, sie zu zählen.
„Hannes“, flüsterte sie, als sie sich in der Küche trafen. „Kennst du all diese Leute?“
„Natürlich.“ Hannes nickte schnell.
Etwas zu schnell, wie Marie fand. Sie deutete durchs Fenster.
„Wer ist der Mann dort am Zwetschgenbaum?“
„Hm!“, brummte Hannes verlegen. „Keine Ahnung …“
Beide blickten zu dem freundlichen älteren Herrn hinüber, der dort saß, ein Stück Zwiebelkuchen in der Hand, und sich angeregt mit einer Nachbarin unterhielt.
Hannes kniff die Augen zusammen.
„Keine Ahnung?“ Marie starrte ihn an. „Er isst meinen Zwiebelkuchen!“
„Wie schön!“, grinste Hannes. „Dann scheint er sich wohl zu fühlen.“
Marie musste lachen.
Inzwischen war aus ihrem kleinen, festlichen Erntedanknachmittag ein ziemliches Durcheinander geworden.
Es gab nicht genug Stühle. Die Teller wurden knapp. Jemand trank Kaffee aus einem Bierglas, und Hannes hatte sein Glas irgendwo abgestellt und fand es nicht mehr.
Der Nachbar von gegenüber verschwand auf einmal und kam mit einer Bierbank zurück. Eine Freundin holte von zu Hause einen zweiten Apfelkuchen, und ein anderer brachte eine große Schüssel Kürbissuppe. Eine ältere Dame stellte Käse auf den Tisch und ein Ehepaar, das neu in der Straße wohnte, spendierte eine Kiste mit Wein. Eine Schale mit frisch geernteten Birnen machte die Runde, und plötzlich stand da auch ein Erntekorb voller süßer Weintrauben.
Die vielen Gäste waren näher zusammengerückt und hatten Spaß. Es wurde gegessen, erzählt und gelacht. Alte Geschichten wurden hervorgekramt und neue gleich an diesem Nachmittag produziert. Von Maries Tischdekoration war kaum noch etwas zu sehen. Überall standen benutzte Teller, Kaffeetassen, Gläser und Schüsseln.
Marie musste grinsen. So hatte sie sich ihr Erntedankfest wirklich nicht vorgestellt.
Es war laut und voll und trubelig. Und es war wunderschön.
Hannes kam mit zwei Gläsern zu ihr. „Ich habe meins wiedergefunden“, sagte er stolz.
„Welches?“, erkundigte sich Marie amüsiert.
Er betrachtete die beiden Gläser. „Gute Frage.“
Sie lachten.
Als es dunkel wurde, gingen die ersten Gäste nach Hause. Andere blieben noch ein bisschen. Und ein paar neue kamen. Jemand zündete die Windlichter und die Gartenlaternen an. Es wurde kühler, Jacken wurden geholt, und die Gespräche gingen weiter.
Mitternacht war vorüber, als sich die Letzten verabschiedeten.
Erschöpft, aber glücklich standen Hannes und Marie in ihrem Garten und betrachteten sich das Durcheinander. Überall standen Teller, Schüsseln und Gläser. Die Stühle waren kreuz und quer verteilt. Auf dem Tisch lagen Krümel, Servietten, Brotreste und ein angebissener Apfel. Neben der Steinbank stand eine leere Suppenschüssel. Wem die wohl gehörte?
Marie schüttelte den Kopf. „So hatte ich mir unser schönes kleines Erntedankfest wirklich nicht vorgestellt.“
„Ich auch nicht“, sagte Hannes.
Sie sahen sich an.
„Wie viele Leute waren es eigentlich?“, fragte Marie.
„Keine Ahnung. Zwölf und ein paar mehr.“
Marie kicherte. Sie blickte noch einmal über das Durcheinander.
„Aber schön war’s!“, sagte sie schließlich. „Was denkst du: Machen wir dies nächstes Jahr wieder?“
Hannes gluckste. „Unbedingt“
Und bis heute weiß immer noch keiner, wie der fremde Mann am Zwetschgenbaum eigentlich hieß…


© Elke Bräunling